Visionen+Projekte

Himmel über dem Kopf

Unsere Intervention im Garten des Zimmermannhaus Brugg stellt eine konzeptionelle Neudeutung des Kunstbegriffs dar. Anstatt einen traditionellen Kunstgarten zu schaffen, definieren wir Künstlerinnen den Garten als lebendigen Raum, in dem die Pflanzen und Insekten selbst die Akteure sind.

Das Projekt fokussiert sich auf einen 4 m² grossen Bereich, das Herzstück des Gartens. Die zentrale Idee besteht darin, dass die Naturprozesse – das Wachsen der Pflanzen, der Wind als Musik, das Summen der Bienen, die Geräusche im Allgemeinen und die Aktivitäten der Insekten – die eigentlichen «Kreationen» vollziehen. Der Garten dient somit weniger als Ausstellungsraum für menschliche Objekte, sondern als Bühne für ökologische und ästhetische Prozesse.

Zusätzlich zu  diesen Erfahrungen soll dieser Ort ein Treffpunkt für den Austausch über diese Sichtweise werden. Ein explizites Ziel ist es, ein Gefühl des Staunens beim Betrachter zu wecken, der die Eigenständigkeit der Naturprozesse wahrnimmt. 

Das Zimmermannhaus Brugg, bekannt für seine Verbindung von Kunst und Musik, bietet mit seinem Garten einen passenden Rahmen für diese experimentelle Herangehensweise, die Kunst als lebendigen, sich ständig verändernden Prozess begreift. Für weitere Details oder den geplanten Veranstaltungen im Rahmen dieses Projekts können Sie direkt das Zimmermannhaus oder die Künstlerinnen selbst kontaktieren. 

Himmel über dem Kopf (2×2) Meter war Teil der Ausstellung HEREINPLATZIERT, HERAUSGESTELLT 2025 vom ZIMMERMANNHAUS BRUGG  und befindet sich im Garten des Zimmermannhaus. Es steht für die Auseinandersetzung mit vielen Themen unserer Gesellschaft – ein kleiner Platz, der über die Kunst hinausgeht und lokal verankert auf gemeinschaftliches, auf die Kommunikation mit «others or more than human beings» und dem Ort selbst setzt.

Himmel über dem Kopf (2×2) Meter ist für die Zeit der Ausstellung von Anfang Mai 2025 und bis auf Weiteres ein Ort, an dem wir mit der Künstlerin Viviana González Méndez dem Verbunden sein zu jedem Insekt, jeder Pflanze, den Steinen, den Mikroben etc., der Erde auf der stehen, laufen oder liegen wieder näher kommen. Wir werden uns Zeit nehmen, zu beobachten, zu bepflanzen und mit dem, was uns dort erscheint kommunizieren. 

Wir haben im Mai das Gras mit den Händen angehoben und die Hände in die Erde gesteckt. Zuvor haben wir die Erde in einer kleinen Zeremonie um Erlaubnis gebeten. Der Stadtgärtner hatte Erde gebracht, die Blütensamen die auf unseren heimischen Wiesen kaum mehr vorhanden sind, wurden an der Vernissage von HERAUSGESTELLT von vielen Besuchern in diese Erde gesteckt. Das Wetter, die Erdqualität oder die Art der Aussaat bewirkten, dass der Wachstumsprozess sehr langsam voranging.

Wir gingen mit dem Wachstum der Pflanzen von der Oberfläche ins Innere, wir folgten dem Weg der Wurzeln. Wir haben die verschiedenen Texturen und die unterschiedliche Körnung des Bodens wahrgenommen, auch die Weichheit oder Härte der Erdschichten und Steine. Der Geruch der frisch geöffneten Erde vor oder nach dem Regen ist in unsere Körper eingedrungen. Es hat diesen Sommer viel geregnet und es war immer wieder sehr heiss. Viele von diesen Erfahrungen haben wir in visuellen, wie auch akustischen Bildern festgehalten. Auf diese Weise versuchen wir, die Besucher einzubeziehen und ihnen das Gefühl zu geben, Teil dieses intimen Gesprächs mit einem lebendigen und sich ständig verändernden Raumes zu sein.

Wir dürfen diesen Teil im Garten des Zimmermannhaus noch länger beobachten, und werden unsere Erfahrungen auch weiterhin dokumentieren. Ab März 2026 werden wir andere, weitere Pflanzenarten dort aussäen, mit Leuten ins Gespräch kommen, dazulernen. Auch unser Skizzenbuch werden wir weiter fortführen.

Seit Mai 2025 haben wir gefilmt, fotografiert, skizziert, dokumentiert und  kartographiert, hier eine Reflektion:

  • die gebrachte Erde wirkt nicht gesund, sie wirkt grau, hart und steinig
  • am 3.5.2025 haben wir folgende Samen gesät:

Achillea millefolium / Agrostemma githago / Anthemis arvensis / Anthemis tinctoria / Capsella bursa-pastoris / Centaurea cyannus / Echium vulgare / Malva sylvestris / Nigella arvensis / Reseda lutea / Silene noctiflora / aus der Luft und vom Boden kamen noch einige mehr

  • was gewachsen ist:Trifolium pratense / Euphorbia maculata / Achillea nobilis / Malva pusilla / Tropaeolum majusHesperis matronalis / Veronica agrestis / Oxalis acetosella / Lipandra polysperma / Ambrosia artemisiifolia / Reseda lutea / Plantago lanceolata / Euphorbia helioscopia / Cota tinctoria / Ajuga reptans
  • Wir wissen zu wenig – etwas zu säen und dann zu beobachten, ohne zu wissen, was hier passiert ist ein interessantes unterfangen.
  • Salat und Kräuter hatten wir zwar geplant aber aufgrund der als Hundeklo benutzten Wiese nicht gepflanzt
  • Anfangs wächst fast nichts auf der Erde, kleine Tiere bewegen sich darauf
  • Die Pflanzen wachsen langsam 
  • Vielleicht hat der Hagel alles zerstört? Hagel hatte nur einige der ersten Triebe beschädigt.
  • Es soll kein Ereignis, kein Spektakel sein – ein ruhiger Prozess zum Nachdenken, Beobachten, Erfahren und Kommunizieren. Die Beobachtung erfordert Zeiten und Formate, die sich von unseren herkömmlichen künstlerischen Prozessen unterscheidet. Wie lässt sich die Zeit des Wachstums, das Sein nicht-menschlicher Wesen in die Zeit einer Kunstausstellung bringen?
  • Holz für ein kleines Feuer oder für die Insekten.
  • Es wächst Ackersenf – den mögen die Wildbienen, es gibt ein kleines Wildbienennest und viele Ameisen, Spinnen, ein Marienkäfer…
  • Der weisse Gänsefuss fühlt sich sehr wohl – in Mitteleuropa ist er ein landwirtschaftliches Unkraut, im Himalaya isst man ihn wie Spinat, er ist Nahrungspflanze für zahlreiche Schmetterlinge und Raupen.
  • Zwei Braunellen stehen am Rand (es gibt auch eine Vogelart, die so heisst) Blätter und Blüten sind essbar, sie sind entzündungslindernd und stärken das Immunsystem.
  • Ein Mann stapfte über das Beet, es gab zwei grosse Schuhabdrücke – dort hinein haben wir Wildbienensamenkugeln und tiefschwarzen Humus getan.